Als Neurodivergenter, Hochsensibler oder einfach schon als Introvertierter gehen Dir oberflächliche Marktschreierei und Werbung so richtig auf den Keks?! Willkommen im Club! ッ Zum Glück gibt es ja auch das Personal Branding: Das ist der menschliche Aspekt der Eigenwerbung, der Menschen zuverlässig und langfristig als Marke aufbaut. Damit Menschen Dich finden, verstehen, kennenlernen. Als Designerin ist es nun meine Aufgabe, das Ganze visuell wahrnehmbar zu machen. Und dass Du Dich dabei rundum wohl und gesehen fühlst! Denn bei einem Personal Branding Design für Neurodivergente und andere feine Menschen gelten natürlich nochmal andere Regeln.
1. Mitgefühl und Verständnis
Als Hochsensibler, Introvertierter oder eben irgendwie aus dem Spektrum stammender tust Du gut daran, Dir einen Designer zu suchen, der mindestens eine Wagenladung Verständnis für Dich hat.
Aber Achtung: Designer und Werbeleute können grundsätzlich gut kommunizieren und sich genau als das darstellen und anpreisen, was das Gegenüber gerade braucht. Denn das ist ja ihr Job! 🙃
Besser ist es da, sich einen Designer zu suchen, der Dir da möglichst ähnlich ist. Wenn Du „HSP Designer“ googelst, kommt heute schon viel mehr als noch vor ein paar Jahren.
Baue da auf das Gesetz der Resonanz: Gleiches zieht Gleiches an und kommt miteinander besonders gut aus!
Ist hier Deine hochsensible Personal Brand Designerin?
Ich bin selbst irgendwas in Richtung hochsensibel, hypervigilant und Scanner und kann auch mal sehr gut rumaspergern ッ Offiziell diagnostiziert bin ich aber nicht. Im Alltag komme ich nämlich gut damit zurecht (oder habe eben die krassesten Coping-Mechanismen etabliert).
In meiner Biographie habe ich mich immer schon gerne um sogenannte Außenseiter gekümmert:
- In der Grundschule habe ich mit den Kindern gespielt, die von den anderen gemieden wurden. Irgendwie sah ich es als meine Verpflichtung, außerdem hatten sie meine tiefe Sympathie.
- Als in einem Online-Forum zu meinen Studienzeiten eine neuer User gleich in der Luft zerrissen wurde, wie man nur so eine dumme Frage stellen könne, habe ich die Situation beschwichtigt und mich um die junge Frau gekümmert. Sie blieb wie ich bis zum Ende des Forums.
- In meinen Agenturzeiten hatte ich Kontakt mit unterschiedlichen Charakteristiken seitens Kunden und Kollegen, die meine besondere Sympathie und menschliche und fachliche Unterstützung hatten: dezidierte, offizielle Hochsensible und Asperger – einige offiziell Diagnositizierte und einige, bei denen ich es vermutete.
2. Feine Farben statt Knallaballa-BÄM
Als sehr empfindsamer Mensch wirken Farben und Formen nochmal unendlich viel intensiver auf Dich. Vielleicht bist du sogar Synästhetiker. Da willst Du ganz sicher kein grelles Rot neben einem Gelb! Das macht Dir ja schon glatt physische Schmerzen.
Ein klassischer Werbedesigner wird Dir jedoch genau solche Farbkombinationen heraussuchen. Denn er will, dass Du auffällst! Und auffällig bedeutet nunmal kontrastreich und hart.
Wenn der Designer irgendwann seufzend nachgibt, sich auf Dich einzugrooven, wird er komplett auf Dich eingeshen und Dir alles in Deinen gewünschten Pastell- und Naturtönen anbieten. Du bist am Ende happy, und der Designer reibt sich die Hände, dass er mit Dir Geld verdient hat.
Abbildung: Das ganz links würde Dir vermutlich ein hipper junger Designer machen oder einer, der von Design keine Ahnung hat. Ganz rechts ist der aktuell gewohnte Template-Standard, den Du Dir bei Canva rausgesucht hast. Sieht hübsch aus, aber vergisst man sofort wieder. Auch schon deswegen, weil es kaum lesbar ist. Für den goldenen Mittelweg – sanft, passend, gut lesbar – braucht es gar nicht soooo viele Kniffe!
Das Problem bei zu soften Designs
So ein weiches Design funktioniert einfach nicht. Wenn etwas hundertmal weichgespült wurde, hat es keine Aussagekraft mehr. Es flutscht einem förmlich durch die Finger. Desewgen fordert ein guter Designer Dich immer heraus, Dir zumindest eine gewisse Prise Kontrast zu gönnen. Ob wir das mit den Farben oder Formen macht, kann man dann immer individuell entscheiden.
Deswegen ist der beste Tipp: Wohldosierte Kontraste!
Das ist ein Tanz auf dem Grat: „So wenig wie möglich, so viel wie notwendig“.
Ich will, dass Du Dich mit Deinem Design wohlfühlst. Aber gleichzeitig will ich auch, dass Dein Design auch wirklich funktioniert! Denn sonst kannst Du es Dir ja gleich sparen.
Anwendungsbeispiel:
Kontextbezogene Farbabstimmung
Ich selbst wollte mein Neongelb unbedingt haben – und mein Eukalyptus-Grün und Korallpink. Denn natürlich darf und sollte man bei seinem Personal Brand Design die Lieblingsfarben verwenden. Immerhin geht es um einen selbst! Deine Farben sollten sich halt über einen längeren Zeitraum bewährt haben. Nimm also deine aktuelle Lieblingsfarbe bitte nicht gleich als dominanteste Farbe, sondern nur als kleines Beiwerk.
Passen die überhaupt zusammen, deine Evergreen-Farben und was Du aktuell gerne magst?
Im nächsten Schritt geht es also um die bewusste Feinabstimmung – die Farben müssen miteinander gut funktionieren.
Eine unglaublich große Wirkung spielt hierbei die Hintergrundfarbe. Denn jede Farbe wirkt in einem anderen Kontext total anders!
Anwendungsbeispiel: Diese Website hier. Das softe Pistazien-Grün, das Du hier im Hintergrund siehst, zählt nicht in dem Sinne zu meinen Lieblingsfarben. Es ist nur die softeste Abstufung von meinem Grün. Ich brauche diese Farbe aber unbedingt, dass sie meine knalligen Lieblingsfarben absoftet: Denn auf einem Reinweißen Hintergrund würden die viel zu sehr krachen.

Weil mir bewusst ist, dass das Neongelb großflächig eingesetzt anstrengend ist, nutze ich diese auffällige Farbe wohldosiert nur für die wichtigsten, kleinsten Akzente (Call-To-Action-Elemente wie Buttons und Links).
Mein Neongelb und Korallpink sollten damit auch für neurodivergente Menschen erträglich sein. Natürlich weiß ich, dass ich nicht jeden gleich gut bedienen kann. Irgendjemand wird immer meckern; aber es kann auch nicht die Lösung sein, alles in Schwarz-Weiß zu machen.
Abgesehen davon möchte ich Menschen ohnehin am liebsten ein komplettes Farbrad geben: Denn als Personal Brand bist Du keine Niveadose!
Gönn Dir lieber ein vollflächiges, rundum funktionales Farbrad.

3. Stimmiger Formen-Kanon
Das Gleiche gilt für die Formen, wozu auch die Schriften zählen. Denn die unterschiedlichen „Type Faces“ unterscheiden sich eben darin, ob sie eckig, abgerundet, human-weich oder konstruiert-hart sind.
Vermutlich hast Du als sensibler Geist Deinen Spaß mit feinen, sanft geschwungenen Schriften. Die passen ja so viel besser zu Dir! Das ist auch legitim, aber mische sie bitte unbedingt mit ein paar neutralen Schriften. Bei Info-Texten geht es immer in erster Instanz darum, dass sie gut lesbar sind.
Viele weiche und schnörkelige Schriften wirken einfach nicht seriös. Aber auch wenn etwas am Ende gut lesbar und somit auch klar sein soll und eine gewisse Härte braucht, kann man da immer noch die passende Schrift heraussuchen, die den Rest optimal ergänzt.
4. Umgangsformeln Designer/Du
Designer sind per definitionem coole Socken. Oder? Solche Klischees hat Du doch sicher auch im Kopf. Und oft stimmen sie ja auch …
Da möchte man schon gerne lieber alles selber machen!?!
Ein hochrangiger Designer wird sich auf Deine Wünsche kaum einlassen, sondern gleich sagen: „Du kommst zu mir, also lass mich mal machen. Adios! Ich melde mich wieder, wenn alles fertig ist.“ Und wenn Du dann Tränen in den Augen hast, weil Du Dich in dem Brand-Paket für 6.000 Euro gar nicht abgebildet siehst, wird er sogar noch wütend, knallt Dir die Rechnung hin und geht.
Design-Anfänger und zuuuu sensible Naturen machen wiederum leider oft den Fehler, zu sehr auf jeden einzelnen Kundenwunsch einzugehen, weil sie einfach noch unsicher sindt. Damit fühlst Du Dich vielleicht wohler, hast aber leider überhaupt keine Garantie, am Schluss auch wirklich ein gutes Design bekommen zu haben. Denn nur, dass es Dir gefällt, heißt ja nicht, dass es auch funktioniert!
Personal Brand Design bedeutet auf jeden Fall, viel gemeinsam zu entwickeln. Und sei es, „nur“ die wichtigsten Zwischenschritte im Design rechtzeitig abzustimmen. Ein guter Designer wird Dich dabei nie überfahren; einer mit einem Gefühl für Neurodivergente erst recht nicht.
Auch hier braucht es also den gesunden Mittelweg: Ein Designer, der sich genügend gut auf Dich einstellt, aber auch keine Angst davor hat, Dir bei Bedarf zu widersprechen. Das immer noch genügend freundlich, aber nachhaltig!
Und, wie schön: Wer Dir so ähnlich ist, wird Dich vermutlich auch nicht mit Sachen zulabern, die Dich ohnehin nicht interessieren. 😅
Wenn Du das Gefühl hast, mit uns zwei könnte es passen, dann schreib mir gerne eine E-Mail.





